Was tun Unternehmen anderer Branchen, um Azubis zu bekommen? Ein Vergleich mit Lerneffekten.

Was tun Unternehmen anderer Branchen, um Azubis zu bekommen?

Was kann man als Unternehmen tun, um Erfolg bei der Azubisuche zu haben?

 

Jedes Jahr im Sommer veröffentlicht die DIHK die Ergebnisse einer bundesweiten Umfrage zum Thema Aus- und Weiterbildung, und gibt somit ein gutes Bild des Marktes ab. 2016 haben über 11.000 Betriebe aus allen Wirtschaftszweigen an der Umfrage teilgenommen. 73% davon hatten weniger als 200 Mitarbeiter. Eine vergleichbare Größe für viele Unternehmen der Automatenwirtschaft.

 

Eine gute Gelegenheit, aus den Erfahrungen anderer zu lernen. Worauf müssen wir uns bei der „jungen Generation“ einstellen? Was können wir als Branche noch tun, um Azubis zu bekommen und sie dauerhaft zu halten? Ein paar Antworten.

Welche Probleme hatten die Unternehmen, die 2016 ausbilden wollten?

Gab es Ausbildungshemnisse, und wenn ja, welche?

Gab es Ausbildungshemnisse, und wenn ja, welche?

41% der Betriebe stellen Hemnisse zur Ausbildung fest. Hauptproblem ist die unklare Vorstellung der Bewerber. Viel schwerer zu kompensieren für die Unternehmen. Azubis unterschreiben oft mehrere Verträge und wählen erst danach den definitiven Betrieb aus.

Welche Gründe gab es für Nichtbesetzung von Ausbildungsplätzen?

Welche Gründe gab es für Nichtbesetzung von Ausbildungsplätzen?

Keine geeignete Bewerbung ist der Hauptgrund für nichtbesetzte Ausbildungsplätze. Laut DIHK-Umfrage sind weniger finanzielle und personelle Ressourcen ebenfalls entscheidend für die Nicht-Besetzung von Ausbildungsplätzen

Was brachten die Bewerber 2016 an Kompetenzen oder Schwächen mit?

Deutsch und Mathe: Problemfächer?

Deutsch und Mathe: Problemfächer?

In Deutsch und Mathe waren die Schüler laut Einschätzung der Unternehmen interessanterweise besser als vor 10 Jahren! Dabei ist dennoch anzumerken: da mehr Unternehmen schwächere Jugendliche als Azubis einstellen, ist die Erwartungshaltung vielleicht eine andere. Dies bestätigt die Auswertung, dass 31% der Betriebe angeben, dass mangelnde Lese- und Schreibkenntnisse bei Ihren Mitarbeitern festzustellen sind.

Welche Sozialkompetenzen bringen Azubis mit?

Welche Sozialkompetenzen bringen Azubis mit?

Leistungsbereitschaft und Belastbarkeit wurden von den Unternehmen vermisst. Dafür stimmten die Teamfähigkeit und das Interesse für die Ausbildung.

Was haben die Unternehmen unternommen, um die Schwächen des Marktes zu kompensieren?

Was haben Unternehmen gegen sinkenden Bewerberzahlen unternommen?

Was haben Unternehmen gegen sinkenden Bewerberzahlen unternommen?

Ausbildungsmarketing wird zu einer Selbstverständlichkeit. Die Bewerber kommen nicht mehr von alleine: wer ausbilden will, muss die Werbetrommel rühren!

Was haben Unternehmen gegen sinkenden Bewerberzahlen unternommen?

Was haben Unternehmen gegen sinkenden Bewerberzahlen unternommen?

Ausbildungsmarketing wird zu einer Selbstverständlichkeit. Die Bewerber kommen nicht mehr von alleine: wer ausbilden will, muss die Werbetrommel rühren!

Was bieten Unternehmen zusätzlich an?

Was bieten Unternehmen zusätzlich an?

53% der Betriebe fördern die Mobilität

Übertarifliche Vergütungen werden in 40% der Betriebe angeboten

27 Urlaubstage (Stichwort Work-Life-Balance) scheinen ein erfolgreiches Argument zu sein.

Bonuszahlungen für gute Noten, Finanzierung der Schulbücher, der Klassenfahrten, des Fitnessstudios und / oder des Business-Outfits werden ebenfalls als Plus-Punkte eingesetzt.

Ob durch Fokussierung auf spezielle Bewerbergruppen wie junge Mütter (Teilzeitausbildung), oder über Zusatzangebote für Leistungsstarke und Studienaussteiger, duale Studiengänge oder Auslandsaufenthalte: Bei der Suche nach dem richtigen Azubi werden alle Register gezogen.

Wie werden Azubis unterstützt?

Wie werden Azubis unterstützt?

76% der Unternehmen bieten auch lernschwachen Jugendlichen eine Ausbildung an.

40% organisieren konsequenterweise Nachhilfeunterricht im eigenen Unternehmen.

Schulkooperationen - aber wie?

Schulkooperationen - aber wie?

Schulkooperation sind ein beliebtes Mittel der Nachwuchssuche. Wie sehen diese Kooperationen aus? Unternehmen unterstützen dabei Schülerfirmen und Projektwochen, organisieren Nachmittagsprogramme oder Bewerbungstrainings. Beteiligung am lokalen Jugendclub oder Event-Sponsoring kommen ebenfalls in Frage.

 Zusatzqualifikation schon während der Ausbildung?

Gerade um Studienzweifler zu überzeugen bietet es sich an, schon während der Ausbildung zusätzliche Qualifikationsmöglichkeiten anzubieten. Ob Sprachkurse, IT-Lehrgänge, oder Erweiterung der Medienkompetenz, es sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Inspirierendes Beispiel aus dem Handel: dort wird während der Ausbildung zu „Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel“ die Weiterbildung zum „Handelsfachwirt“ angeboten. In der gleichen Zeit erlangt also der Jugendliche zwei Abschlüsse.

Wer macht es offenbar richtig und wie?

Was tun Unternehmen anderer Branchen, um Azubis zu bekommen?

Das Gastgewerbe hat in den letzten Jahren erstaunliche Ergebnisse erzielt: in den vergangenen Jahren hatte die Branche von allen die größten Schwierigkeiten, vakante Ausbildungsstellen zu besetzen. Dies hat sich geändert, erstaunlicherweise obwohl das Gastgewerbe mit 59 Prozent der Betriebe am häufigsten Ausbildungshemmnisse wahrnimmt. Vermutlich spielten Arbeitszeiten, Schichtdienste und ein etwas geschädigtes Image eine Rolle.

Maßgeblich dabei scheint zu sein, dass die Branche sich mehr  auf schwächere Azubis eingestellt und vorbereitet hat, denn eine ähnliche Entwicklung ist im Handel und in der Logistik festzustellen, die eine ähnliche Strategie führen

75% der Stellen werden in der Branche der Bundesagentur für Arbeit gemeldet, eine der höchsten Zahlen bundesweit.
Auch im Bereich online Marketing belegt die Branche eine der ersten Plätze, mit 50% der Betriebe, die Marketingkanäle im Internet nutzen. Parallel dazu wurden massive Werbekampagnen eingesetzt.
In der Branche ist darüber hinaus festzustellen, dass Schulkooperationen besonders oft genutzt werden, auch von kleineren Betrieben.

Andere interessante Kennzahl: In der Baubranche konnte durch hohe Ausbildungsvergütungen die Zahl der unbesetzten Stellen um 7 Prozentpunkte reduziert werden (bis zu 1504€ im 3. Lehrjahr), wobei der anhaltende Bauboom ebenfalls für ein positives Image der Branche sorgt.

Was sagt die Studie über Jugendliche bzw. Azubis aus?

Nur noch 10 Prozent der Azubis wollen ausdrücklich nach der Ausbildung den Betrieb wechseln. Diese Zahl ist relativ niedrig: Azubis sind also bindungsfähig. Auch die Anzahl der Azubis, die das Unternehmen zum Studieren verlassen wollen (16%), ist gesunken. Grund dafür ist dennoch eher die Tatsache, dass die Betriebe selbst duale Studiengänge anbieten, was zur Bindung der Jugendlichen führt.

Die größte Schwierigkeit auf dem Ausbildungsmarkt ist aus Sicht der Unternehmen die Tatsache, dass Jugendliche nicht klar wissen, welchen Beruf sie erlernen wollen. Dies ist nicht unbedingt einer mangelnden Berufsorientierungspolitik der Schulen zuzuweisen, sondern eher des stetigen Trends zur Akademisierung. Anstatt wie früher zwischen Ausbildungsberufen auszuwählen, muss in vielen Fällen erstmal zwischen Studium und Ausbildung gewählt werden. Dies verkompliziert die Entscheidung für Jugendliche ungemein.

Interesse, Umgangsformen und Teamfähigkeiten der Jugendlichen halten sich im 10-jahren Vergleich. Dafür waren laut der befragten Unternehmen die Belastbarkeit, die Leistungsbereitschaft und die Disziplin bei den Jugendlichen im ständigen Fall. So klagte 2011 fast jedes zweite Unternehmen in Industrie, Handel und Versicherungen über eine zu geringe Leistungsbereitschaft, Belastbarkeit und Disziplin der Auszubildenden.

Diese Wahrnehmung der Unternehmen widerspricht einer Studie vom Institut für Demoskopie Allensbach aus dem Jahre 2015. Die große Mehrheit der Befragten vertritt die Auffassung, dass sich Leistung lohnt.  43% der befragten Jugendlichen bestätigen, dass sie Druck sogar brauchen und dass dieser sie motiviert. 18% arbeiten sogar gerne unter Druck. Wer mehr über die Jugendliche und „wie sie ticken“ erfahren möchte, findet die Studie hier: Link.

Was tun Unternehmen anderer Branchen, um Azubis zu bekommen?
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